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Wakhan, oder: Wo beginnt Afghanistan?

Wo in den Flussauen des Panj Tadschikistan aufhört und wo Afghanistan anfängt, wird wohl jeden Sommer neu definiert. Fakt ist, dass Kulturland, das hier im Süden an den Hindukusch stößt, ist seit Jahrtausenden besiedelt.


Über tausend Kilometer bildet der Panj die Grenze zum Nachbarn Afghanistan. Mal sind es einige Meter als reißender Fluss, mal sind es mehrere hundert Meter, die man leicht durchwaten kann. Auch Marco Polo soll hier einst durchgezogen sein und widmete den Wakhanis seinen vollen Respekt, ob der harrschen Lebensbedingungen die hier vorherrschen.


In den Weilern der Gegend muss bereits im Frühjahr für den kommenden Winter vorgesorgt werden. Das Bestellen der Äcker gleicht einem Kunstwerk. Uralte Bewässerungskanäle sichern nach wie vor die Versorgung mit Wasser in der kargen Hochebene, welche sich beide Länder teilen.


Dass es hier nicht immer friedlich zuging und auch unruhigere Zeiten herrschten, bezeugen die vielen am Panj gelegenen Lehmfestungen. Von der Festung Qah Qaha in Namadgut, scheint Afghanistan tatsächlich zum Greifen nahe.


Hoch über dem Tal liegt die Festung Yamchun, dank ihrem spektakulären Blick eine der bekanntesten Anlagen.


Wen Festungen nicht interessieren, der kann auch mit einem Handtuch bewaffnet in den Mineralquellen von Bibi Fotima ein fruchtbarkeitsspendendes Vollbad nehmen.


Stolz präsentieren die Wakhani ihre Kultur. So wurde das Haus des Sufi Muborak Wakhoni in Yamg, mittlerweile in ein Museum umgewandelt. Dieses wird von seinem Urenkel gepflegt.


Die Ismaeliten*innen, welche sich seit Jahrhunderten im Pamir heimisch fühlen, pflegen einen gemäßigten Islam. Gleichberechtigung ist, auch bedingt durch die Lebensbedingungen, stets überlebensnotwendig gewesen.

Immer wieder finden sich Mazore, animistische Schreine, am Wegesrand.

Man erkennt die Verschmelzung uralter Traditionen mit dem Islam der letzten Jahrhunderte. Die Kultstätten werden von den hier Lebenden nach wie vor verehrt und gepflegt.


Einst war das Hochtal ein buddhistisches Nirvana. Überreste einiger frühbuddistischer Klöster, Wohnhöhlen und Stupas bezeugen dies anschaulich. Die Händler entlang der Seidenstraße gewährleisteten nicht nur den Transport von Waren, sondern brachten auch innovative Ideen und Wissen in den Rest der Welt. Eine dieser Ideen stellte damals die Lehre Buddhas dar. Im Ort Vrang kann man die meisten Spuren dieser Epoche entdecken.


Für uns war die Gegend schon im Vorfeld eines der Ziele der Reise. Die Einsamkeit, wurde mit einem Handstreich, durch die Herzlichkeit und Offenheit der Menschen, weggefegt. Die Landschaft, sowie Kultur und Bräuche in diesem Teil Tadschikistans beeindruckten uns auf besondere Weise. Nicht zu letzt konnten wir hier unseren fünfhundertsten Tag der Reise zelebrieren!

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Im Ferghana Tal

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