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Perser sind nicht nur Teppiche

Dass es sich bei dem Ausdruck Perser nicht nur um Teppiche handelt, sollte hoffentlich jedem ein Begriff sein. Die Anfänge des mittlerweile teils mythologisch überhöhten Volkes spielten sich im Süden Irans ab. Nahe der heutigen Stadt Shiraz befinden sich die Ausgrabungsstätte der Residenzen von Darius und Xerxes, welche es sich in Persepolis gemütlich eingerichtet hatten. Hier empfingen die Großkönige während ihrer Herrschaft die Gesanden ihres Reiches. Von hier, wo es im Sommer über vierzig Grad heiß wird, wurde ein Reich gelenkt, das sich von der Peleponnes und Nordafrika bis an den Indus erstreckte.



Diffamiert wurde die persiche Kultur und ihre Errungenschaften stets in der Populärkultur ihrer jeweiligen Zeit.

Dabei zeigt sich bei näherer Betrachtung schnell, wer es verstand ein Reich diesen Ausmaßes zu organisieren und zu verwalten, benötigte besondere Fähigkeiten. Die antiken Perser zeichneten sich dabei nicht nur als besonders fähige Bürokraten aus, sie verstanden es auch durch ausgleichende politische Reformen und religiöse Toleranz ein Gleichgewicht zu schaffen, das es ihnen ermöglichte stabile Verhältnisse in den jeweiligen Vasallenstaaten zu schaffen. Eine einheitliche und niedergeschriebene Gesetzgebung erleichterte dabei vieles.


Zum nach wie vor in der iranischen Kultur fest verankerten Nowruz Fest, dem Datum der Tag und Nachtgleiche und damit dem Beginn des neuen Jahres im Kalender, gaben sich die Gesandten des gesamten Reiches ein Stelldichein und mussten ihren Tribut zollen. Die lässt sich noch sehr gut auf den Reliefbildern an den Treppenaufgängen des Apadana von Persepolis nachvollziehen.


Heutzutage kennen wir Darius I. als grausamen König, der gerne mal nach Marathon reist um die dort versammelten Griechen mit seiner von Hollywood gesponserten Peitsche, zu bezwingen versucht.

Xerxes, welcher wiederum von der Schlacht an den Thermophylen bekannt ist, hat ebenfalls einen nicht minder schlechten Ruf.

Vielleicht fällt uns auch noch ein, dass Collin Farell im Film "Alexander" Darius III. in die Flucht geschlagen hat und anschließend als Vergeltungsmaßnahme Persepolis brandschatzen ließ.

Doch ob diese Kultur so viel grausamer war als die in unseren Breitengraden glorifizierte griechich- römische, bleibt äußert fraglich. Vielmehr stellt sie eine ebenbürtige und prägende Konstante in diesem Teil der Welt dar. Deren Grundzüge doch gewisse Ähnlichkeiten mit den uns vertrauten Kulturen darstellt.


Eine gewisse Geltungssucht, welche wir in unseren Breitengraden auch von den Römern kennen, zeigt sich im Machtanspruch auf dem von den Persern beanspruchten Staatsgebiet.

An allen wichtigen Passstraßen und antiken Karawanenroute brachten die Perser stets gut sichtbar und mit einem Hauch von Dramatik versehen, Reliefbilder an. Auf diesen Teils überlebensgroßen Schaubildern machten sie ihren Machtanspruch deutlich und ließen die Vorbeiziehenden ihre glorreichen Taten wissen. Eigens dafür wurde eine persische Schrift entwickelt, welche im gesamten Staatsgebiet vereinheitlicht wurde. Um jedoch auch Nichtwissende stets mit Informationen zu versorgen, wurden Texte häufig mehrsprachig verfasst.


Das antike Handelsstraßennetz eignete sich dementsprechend nicht nur zum Waren- sondern eben auch zum Informationsaustausch. So bewegten sich die ersten Posttransporte auch nicht von Thurn und Taxis aus mit der Postkutsche, sondern auf dem Rücken von Kamelen durchs Perserreich. Übernachtet wurde dann eben anstatt in einer Poststation in der Karawanserei. Nach wie vor existieren noch einige dieser Bauten aus diversen Epochen entlang der persischen Königsstraße.

Die Begrifflichkeit Perser findet sich auch im Namen der Provinz Fars wieder. Da bei der arabischen Landnahme das P zu einem F wurde, redet man mittlerweile in Iran auch nicht mehr persisch sondern eben Farsi.


Dass auch Großkönige irgendwann das zeitliche Segnen, zeigt sich in der Naqsh e Rostam genannten Nekropole.

In unmittelbarer Nachbarschaft zu Persepolis liegt hier das Who- is- Who der Perserdynastien versammelt. In den Grabnischen wurden sie mit allem dazugehörigen Pomp bestattet.

Auch hier wird dem Betrachter deutlich gemacht: über dem König gibt es nur einen, nämlich Ahura Mazda, den Gott des ersten Monotheismus unserer Geschichte, von welchem die Königswürde direkt auf den Monarchen übertragen wurde. Die Perser nahmen den Zoroastrismus als Staatsreligion an und forderten bei aller religiöser Toleranz auch von den Vasallen, die oberste Gottheit anzuerkennen.


Der Feuerkult des Zoroastrismus hat offensichtlich auch in uns Anhänger gefunden, auch wenn das Grillen von Würstchen und Zucchini sicherlich nicht zu den klassisch religiösen Riten und Praktiken gehört. Ahura Mazda wird hoffentlich nachsichtig mit uns sein...


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