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Nomadische Spuren im Schatten der Vulkane

Kaum einem wird der Namen Lar Nationalpark, etwas sagen. Spricht man jedoch vom Damavand, wird die Sache schon klarer. Das Nationalsymbol Irans, zeigt sich im Alltag gerne als Emblem von Versicherungen und darf als Werbesymbol, die unberührte Reinheit der Natur und ihre Produkte, darstellen. Als harte Währung, wurde es sogar auf der Rückseite des fünfhunderttausend Rial Scheins verewigt (dem zweitgrößten Schein des Iran, mit ca. zwei Dollar Wert). Dabei steht der vulkanische Riese seinen Vettern in der Welt in nichts nach. Ob es nun der Fuji in Japan, der Cotopaxi in Ecuador oder der Popocatepetel in Mexiko ist, der Damavand mit seinen 5609m hat eine ebenbürdige, weil markante Silhouette, zu bieten.


Ein besonderes Highlight zwischen Juni und Juli bietet sich in der Region, wenn der Mohn zur vollen Blüte steht. Scheinbar endlose Wiesen, verwandeln sich in einen rot gesprenkelten Blütenteppich. Dieser wird von den Schafen der vielen Hirten nicht angetastet, da sie sonst an Darmkoliken versterben würden.


Zu Zeiten des Schahs gab es in Iran immer wieder Bestrebungen, die ansässigen Nomaden in Siedlungen zu zwängen. Dabei ging es nie um das Wohl der Menschen, den Zugang zu medizinischer Versorgung oder deren Kinder zur Schule zu schicken. Vielmehr lag dem Staat stets nur das Eintreiben von Steuern im Sinn. Da man jedoch Individuen ohne Wohnadresse keine Mahnschrift zukommen lassen kann, muss man diese eben festsetzen. Mehr oder weniger erfolgreich, wehrten sich die renitenten Hirten jedoch gegen das Regime.

Heutzutage gibt es neben den drei großen Nomadenstämmen Qashqai, Bakhtiari und Shahsavan im Iran, vor allem pakistanische und afghanische Hirten, die das entbehrungsreiche Leben in den Zelten während der Sommermonate über sich ergehen lassen.


Die ganze Familie lebt, arbeitet und ruht in einem zehn Quadratmeter großen Zelt aus dicker Ziegenwolle. Das Leben wirkt dabei archaisch und unterscheidet sich von dem Leben unserer Vorfahren, vor tausenden von Jahren, kaum. Die Tiere und die Natur, in welcher die Familien leben, bieten alles was benötigt wird. Was nicht selbst hergestellt werden kann, wird gegen Tierprodukte getauscht oder durch den Verkauf von Milchprodukten erworben.


Der Sabalan, in der azerbaidschanischen Region um Ardabil, ist die Heimat der Shahsavan Nomaden. Ebenso wie in der Region um den Damavand, werden von ihnen hauptsächlich Schafe und Ziegen domestiziert. Jedoch scheint auch der Honig, welcher auf den Bergwiesen produziert wird, von außerordentlicher Güte. Auf dem Weg zu den heißen Quellen von Shabil, halten viele Iraner gerne am Wegesrand und kaufen den Nomaden ihre Produkte ab. So heißt es besonders am Wochenende schlangestehen am Nomadenzelt, um die besten Stücke abzubekommen.


Damavand als höchster und Sabalan als dritthöchster Berg des Iran, eignen sich sehr gut für Trekkingtourismus. Die Wanderrouten und -möglichkeiten scheinen endlos und mit ein wenig Kondition und Bergerfahrung, schafft man es auch bis zum Gipfelglück. Schwefeldämpfe am Damavand und eine Kraterlagune am Shabalan, sind die jeweiligen Pokale, die es zu erobern gibt. Der Vulkanismus wird als ruhend beschrieben, zehntausend Jahre sind in der Erdgeschichte eben nur ein kleines Mittagsschläfchen.


Auch unsere frühen Vorfahren fanden schon gefallen an den vulkanischen Riesen. Dies bezeugen nicht nur endlose Mythen und Geschichten, die sich um die schwefelwabernden Berge ranken. Auch Kultplätze, wie der von Shahar Yeri, lassen sich ausmachen. Dabei steckt die Erforschungshistorie hierbei noch in den Kinderschuhen. Spekulationen heizen die mysthische Stimmung jedoch stets nur noch mehr an.


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