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Also sprach Zarathustra...

Es wird als der älteste Monotheismus der Welt angesehen und hat seinen Ursprung im antiken Persien: der Zoroasthrismus. Doch was wissen wir heute noch über die Urreligion, welche den monotheistischen Religionen unserer Zeit so viel gemein hat?

Zarathustra war wohl ein Prophet aus der Gegend des heutigen Afghanistans. Er wanderte und predigte im jetzigen Zentraliran und traf dort auf fruchtbaren Boden. Dort herrschte bereits die Lehre von Ahura Mazda: Der positiv besetzten, geflügelten Obergottheit. Diese stellt den Gegenpart zu der negativen Gottheit Ahriman (Teufel, Finsternis) dar. So müssen sich die Menschen, beim Warten auf die Wiedergeburt und den Einzug ins Paradies, entscheiden, welchen Weg sie gehen. Die Grundprinzipien oder Gebote lauten dabei:

Gutes Denken, Gutes Sprechen, Gutes Tun!


Im Avesta, dem heiligen Buch, wurde dies niedergeschrieben und der Nachwelt erhalten. Teile davon wirken wie Auszüge aus den wesentlich älteren Veden, auf welche sich die Hindus in Indien beziehen. Man findet Textpassagen, welche so auch in der Bibel wiedergefunden werden können. So erfinden die Zoroasthrier auch das Prinzip von Himmel und Hölle sowie Schöpfung und Weltuntergang, welche später in der jüdischen Lehre und dem Christentum wichtige Grundzüge sind. Ebenso das Warten auf den alle erlösenden Heilland, der praktischerweise gleich dreifach vorhanden ist, finden wir in den Avesta wieder. Glaubt man manchem Experten, so stellt auch die jesidische Glaubenswelt eine kurdische Abwandlung des Zoroasthrismus dar.


Neben Ahura Mazda gab es noch Erzengel und diverse Unterstützer beim Kampf zwischen Gut und Böse auf der Welt. Der Mithraskult als Personifizierung des Lichtes, welcher es im römischen Reich zur Staatsreligion brachte, hat hier seinen Ursprung. So finden sich Abbilder von Mithras und Ahura Mazda auf den Reliefbildern der Perser und der Sassaniden in Iran verstreut.


Früh schon wurde die Religion zur Staatsreligion des Persichen Reiches erhoben. So finden sich neben den Abbildern der Großkönige, wie hier am Taq e Bostan, natürlich auch immer die Legitimation selbiger durch den geflügelten Gott Ahura Mazda.


In der Nähe von Yazd in unwirtlicher Landschaft gelegen, befindet sich das Hauptheiligtum. Es besteht aus einer Grotte, in welcher eine Quelle entspringt. Natürlich gibt es noch die ein oder andere jüngfräuliche Sage, welche sich hier ereignet haben soll, damit der Kultplatz auch die nötige Anerkennung bekommt. Fakt ist jedoch, dass eine Quelle in dieser Gegend wohl schon immer Gegendstand von Verehrung und Dankbarkeit, ob der harrschen Bedingungen, hervorrief. Nach wie vor kommt man deshalb aus dem ganzen Land hierher um zu beten, zu hoffen oder Dankbarkeit auszudrücken. Chak Chak, so der Name der Quelle, soll das Tropfgeräusch des Wassers ausdrücken, wenn es auf den blanken Stein fällt. Der Komplex umfasst mehrere Terrassen und kleinere Opferstellen, in denen sich die Familien zurückziehen können, um ihre Rituale in inniger Einkehr zu begehen. Touristen werden hier selten empfangen. Dementsprechend freut man sich über unser Interesse. Die Familie die wir trafen, legt auf ihrem Pilgerweg knappe tausend Kilometer zurück, um das geheiligte Wasser der Quelle zu verköstigen und ihre Gebete an passender Stelle abzusetzen.


Auch im modernen Iran dürfen sie ihre Religion ausüben und sind als Minderheit anerkannt. Riten und Bräuche, welche in abgewandelter Form nach wie vor erhalten sind, haben sich über Jahrtausende entwickelt und sind tief im nationalen Bewusstsein und der Identität verankert. Ein Beispiel stellt das jährliche stattfindende Norooz Fest, das persische Neujahrsfest, dar. Die Erneuerung des Geistes und die Reinheit des selbigen, wird dabei durch überall im Land entzündeter Feuer signalisiert. Im gesamten Persien finden sich Feuertempel, in welchen dem heiligen Feuer im Rest des Jahres gehuldigt wird.


Die Türme des Schweigens in Yazd, zeugen von den Bestattungsriten der Zoroasthrischen Glaubensgemeinschaft. Da sowohl Erde, Wasser als auch die Luft rein bleiben sollte, hat man die Körper der Verstorbenen kurzerhand den Vögeln und Geiern zum Verzehr ausgesetzt. Nachdem die Kadaver vom Fleisch befreit waren, wurden die Knochen in Urnen auf dem angrenzenden Friedhof bestattet. Nachdem der Schah diese Praktik abgeschafft hatte, mussten die Anhänger auf andere Methoden umsteigen. Heutzutage werden, um die Reinheit des Bodens weiterhin zu gewährleisten, die Toten in Betonsärgen bestattet.


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