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Manas, Kirgistans Nationalheld

Mehr als fünfhunderttausend Verse kennt das Epos um den sagenumwobenen Volkshelden aus Kirgistan. Der Held der Geschichte, ein erfolgreicher Krieger in unzähligen Schlachten, regiert das Land über zweiundvierzig Jahre lang. Immer wieder wurde der Text über die Jahrhunderte dabei geformt und angepasst, um dem jeweiligen Zeitgeist zu entsprechen. Dabei ist Manas mehr als nur eine legendenhafte Erzählung, es ist gelebtes Brauchtum.


Kirgistan ist ein Land der Nomaden*innen, diese sitzen auf Pferden und mögen Pferdesport. So wundert es nicht, dass sich Rund um den Yssykköl jedes Jahr die Begabtesten ein Stelldichein bieten. Tyiyn Enmei oder Fang den Taler, ist ein halsbrecherischer Wettkampf bei dem eine Münze vom Boden aufgehoben werden muss. Dass dies aus vollem Galopp des Pferdes geschieht, versteht sich von selbst.


Was damals auf dem Schlachtfeld genutzt hat, kann auch heute noch Spaß machen. Dass Ringen mit und auf dem Pferde, das Er Enish, geht heute ohne Blutvergießen vonstatten, dafür sorgt auch der Ringrichter. Damals war es eine ernste Übung zum Überleben im Kriegsfall.


Auch Kok Boru, eine Art Rugby zu Pferde, erfreut sich im Land einer großen Beliebtheit. Zwei Teams, von maximal je zwölf Mitgliedern, kämpfen dabei um einen Schafskadaver. Dieser muss ins gegnerische Tor gebracht werden. In allen größeren Orten des Landes finden sich Spielfelder und die nationalen Meisterschaften sind ein großes Ereignis auf das hingefiebert wird.


Die Jagd mit abgerichteten Vögeln hat in Kirgistan lange Tradition und ist Teil der Salburun Jagdtechnik. Hierbei wird mit Pfeil und Bogen, Hunden oder Vögeln die Beute erlegt. Ob mit einem Falken...


...oder den etwas größeren Goldadlern, hängt dabei maßgeblich vom zu erlegenden Tier ab. Die Tiere werden von den Falknern*innen jahrelang für ihren Einsatz trainiert.


Bereits im zarten Alter von wenigen Wochen werden die Tiere aus den Nestern geholt. Fliegen können sie da bereits, die für den Raubvogel überlebensnotwendige Jagd bringen ihnen die Falkner*innen bei. Dabei wird zu Übungszwecken auch mal ein Hase geopfert. Mensch und Tier bauen während der langen Zeit der Zusammenarbeit eine intensive Beziehung auf. Adler können sehr alt werden. Häufig wird der Greifvogel nach einigen Jahren ausgewildert, auch deshalb wird immer wieder mit lebendigen Ködern gearbeitet.



Natürlich muss ein Heldenepos auch besungen werden. Wer soll die Taten des stolzen Recken überliefern? Darum kümmern sich die Musikerinnen an den Ufern des Sees. Das Land ist reich an Musik und Dichtung.


Bräuche gehen auch durch den Magen. So darf auf einem Fest eine ordentliche Portion Plov nie fehlen. Dass Reisgericht wird mit Karotten und Zwiebeln gekocht und mit Pferdefleisch verfeinert. Auch Lagman, ein Nudelgericht, welches mit Schaf gereicht wird, findet man auf jeder Tafel.


Nationales Kulturgut und Symbol des kirgisischen Volkes ist die Jurte. Diese war auch in Zeiten der Sovietbesatzung ein Symbol, jedoch sollte sie die damals als Rückständigkeit geltende kirgisische Identität brandmarken. Bis zu vierhundert Kilogramm wiegen alle Jurtenteile zusammen. Der Rekord beim Aufbau liegt bei einer schlappen viertel Stunde.


Nach wie vor wird Manas im Land verehrt.

So manche Statue zeugt von seiner kulturstiftenden Identität. Diese Tradition hat sicherlich nach dem Zerfall der Sovietunion noch einmal zugenommen. Neben Lenin und dem Parteikader musste nun auch ein eigener Held in den Ring steigen. Diesen Kampf hat der mittelalterliche Held erfolgreich gemeistert.


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