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Entlang der türkischen Ägäisküste

Irgendwie hat der eingeschobene Heimaturlaub doch länger benötigt als zuerst erwartet, so trifft uns der beginnende Sommer mit seiner Hitze etwas unvorbereitet. Gedanklich waren wir noch bei einem milden Frühling und dem ein oder anderen Regentag. Letztlich bleibt uns nur, bedingt durch Zeit und Strecke, einen Sprung zu machen und Antalya fluchtartig zu verlassen. Auf an die Ägäis und dann ein paar Kilometer in Richtung Heimat. Der ein oder andere Badestopp, soll natürlich trotzdem eingeschoben werden.


Marmaris, der krebsrote Traum sonnengebadeter Urlauberphantasien, liegt lieblich eingebettet in ein Meer aus tausend- und einer Bucht. Ähnlich der luxusliebenden Schwesterstadt Bodrum, wurde ein kleines Nest zu einem Urlauberparadies für Spaßsüchtige umfunktioniert.


Die Marmaris umgebenden Buchten wurden als Nationalpark eingerichtet, um die Inselwelt und ihre vielfältige Flora und Fauna, als Ausflugsziel für die Touristenmassen, zu erhalten. So kann man mit Motorbooten seltene Schildkröten bei der Eiablage stören, bei Tauchgängen Fische in Riffen aufschäuchen oder mit dem Bier in der Hand auf dem Quad verhindern, dass sich im Unterholz das Wild allzu gemütlich einrichtet.


Auch segelnde, kolonisierende und griechischsprechende aus Rhodos, wussten in der Antike die Gegend zu schätzen. Sie errichteten in Amos ihr Theater auf einem Felssporn, um Land und Seewege im Blick zu haben, während sie dem Spiel von Dramen und Komödien lauschten.


Unser Weg führt uns erneut nach Bodrum. Da die Ägäis bekannt ist für ihre Winde, werden diese seit Langem genutzt. So haben sich in der Türkei, wie im benachbarten Griechenland, historische Windmühlen erhalten können. In Bodrum liegen diese auf einem, die Bucht einrahmenden, Hügelzug. Leider war unser Besuch wohl etwas zu zerstörerisch, sodass wir nur eine Ruine hinterlassen konnten.


Von hier oben lässt sich bereits erahnen, an welchem Tisch die Shrimp Cocktails verzehrt werden und wo der Hummer zum Schampus gereicht wird. Die ein oder ander Luxusyacht lässt sich auch schon ausmachen.


Dies wird dann schließlich im historischen Kriegshafen, wo König Mausolos von Halikarnassos seine Flotte ankern ließ, auch bestätigt. Auch wenn hier, zugegebener Maßen, nicht jeder isst, sondern mancher auch fischt.


Noch ein letzter Blick vom Theater, auf das darunter stattfindende Theater und weiter geht die Fahrt gen Nordwesten.


Wir wagen uns ins Hinterland und besuchen das Dorf Sirince. Eingebettet in einen Talkessel, schmiegen sich die historischen Häuser entlang des Hanges. Eines der vielen, ehemaligen griechischen, Dörfer im Herzen der Türkei.


Heute begegnet einem eine bunte Ansammlung von Futterständen und Souvenirbuden, obwohl doch alle Häuser weiß getüncht sind. Hier können wir uns auch gebührend über das Ende des Ramadan freuen und das Zuckerfest, Bairami, begehen.


Geht man eine paar Etagen in die Höhe kann man, abseits des Rummels, die Gassen auch ohne Gegenverkehr auf sich wirken lassen.


Nach knappen fünfundsechzigtausend Kilometern, in sechsundzwanzig Monaten auf den Straßen Asiens, überqueren wir bei Canakkale die Meerenge der Dardanellen und befinden uns nun endgültig zurück in Europa. Jetzt scheint es auch nicht mehr weit bis zur griechisch- türkischen Grenze.


In der Bronzezeit bewachte Troja die Einfahrt in die Meerenge, heute erledigen mehrere Forts, aus diversen Epochen der ottomanisch/ türkischen Geschichte, diese Aufgabe. Neben dem Perserkönig Xerxes I., wagte auch Alexander von Makedonien hier den Sprung über den Hellespont.


Die Passage zwischen Canakkale und Kilitbahir ist weniger als zwei Kilometer breit und war dementsprechend stets von besonderem Interesse. Hier feiert sich die Türkei als siegreichen Verlierer des ersten Weltkrieges, mit wagemutigen Helden und heroischen Einzelkämpfern.


Natürlich finden sich auf der Galipol Halbinsel auch die Heldengedänkstätten für die Gefallenen, einer der blutigsten Schlachten des ersten Weltkriegs.


Mit diesen ernüchternden Fakten verabschieden wir uns endgültig vom Reiseland Türkei und versuchen uns in einem schnellen Transit übers griechische Festland.

Nächster Halt: Ionisches Meer.

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