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Einmal um den Yssykköl

Der zweitgrößte Hochgebirgssee, nach dem Titicacasee in den südamerikanischen Anden, hat einiges zu bieten. Da abflusslos und bedingt durch den Zufluss von Gletscherwasser aus dem Umland, ist der See leicht salzhaltig. Der uns bekannte Bodensee würde von seiner Fläche elfmal in den See passen. Sein Volumen würde er sogar fünfunddreißig Mal aufnehmen.


Mit seinen lauschigen Buchten und dem ein oder anderen Sandstrand, ist der See auch als Badesee bei Einheimischen und Touristen sehr beliebt.


Tscholpon Ata ist heute der Hotspot der Freizeitgestaltung am Nordufer. Hotels, Kneipen und Cafes warten genauso auf die Gäste, wie das Ausflugsboot und der Eisverkäufer im Stadtpark. Etwas oberhalb der Promenade hat sich jedoch ein weitläufiges Petroglyphen Feld im Schatten der Tien Shan Ausläufer erhalten, welches unser Interesse weckt.


Als Verbindungsknoten der Kulturen, könnte man die Stadt Karakol bezeichnen. Heute prägen vor allem die Plattenbauten der letzten fünfzig Jahre das Stadtbild. Jedoch finden sich in der Stadt auch Indizien vorheriger prägender Elemente.


Die Nähe zum Nachbarland China lässt sich hier lebendig nachvollziehen. Die dsungarische Moschee, wurde in Form einer buddhistischen Pagode erbaut. Nach wie vor bildet sie den Mittelpunkt der hier ansässigen Gläubigen. Diese kamen einst aus China und der Mongolei. Hier fanden sie eine neue Heimat, wo sie ihren Glauben ausleben konnten, ohne sich vor Repressalien fürchten zu müssen.


Natürlich hat auch das orthodoxe Christentum Spuren in der Stadt hinterlassen. In der örtlichen Kirche kommen die Gläubigen zusammen. Angeblich ohne einen einzigen Nagel erbaut, steht sie hier seit über hundert Jahren.


Auf dem, jeden Sonntag stattfindenden, Viehmarkt kommt das ganze Umland zusammen und feilscht um die schönsen Tiere.


Auch das Nachbardorf Yrdyk beheimatet eine kleine dsungarische Gemeinde. Neben der Moschee, kann man sich im örtlichen Museum über deren Geschichte informieren.


Der Kurort Jeti Ögüz scheint eine Reise wert zu sein. Vor allem lohnt eine Wandertour unterhalb der, als Seven Bulls bekannten, Felsformationen.


Folgt man den Tälern auf die Matten, gelangt man zu herrlich gelegenen Jurten Camps und einigen Wasserfällen.


In Tamgy erholten sich einst die Kosmonauten, nachdem sie aus dem Weltraum zurückgehkehrt waren, von den Strapazen der langen Reise. Einige Manisteine sind die letzten Zeugen der Spiritualität, welche hier vor der islamischen Eroberung, vorherrschend war.


Die Skazka Felsenlandschaft, sind eine weitere Erosionslandschaft die sich am Südufer des Sees findet. Auch wenn dies längst kein Geheimtipp mehr ist, lohnt der Abstecher von der Ringstraße für eine kleine Wanderung.


Im Ort Barskoon kamen vor langer Zeit die Händler der Seidenstraße über den gleichnamigen Pass. Wo sich einst die Warenströme der Karawanen entlangtasteten, werden heute die Staatsdevisen erwirtschaftet. Der Berg steckt voll Gold.


Auf der Hochebene, die zur Kumtor Mine führt, finden sich bei extremen Klimabedingungen nur ein paar Hirtenfamilien ein. Permafrostböden und Temperaturen um die minus fünfzig Grad im Winter, lassen jedoch nur die dreitausend Minenarbeiter*innen der Minengesellschaft bei diesen Bedingungen ausharren.


Auch das Seitental von Bokobaevo ist uns einen kurzen Abstecher wert. Hier werfen sich die Fettsteißschafe noch einmal besonders in Pose. Für uns wird es das letzte Tal am See sein.


Die Wellen des Binnenmeeres Yssykköl rauschen zum Abschied an den Strand.

Wir werden das liebgewonnene Kirgistan bald verlassen und uns auf den Weg Richtung Westen machen. Das bedeutet auch, dass sich ein halbes Jahr Zentralasien dem Ende nähert. Langsam aber sicher hält der Herbst Einzug. Wir sind sehr dankbar darüber, was wir alles in diesem Teil der Welt erfahren durften. Die fantastischen Landschaften und vor allem die herzlichen Menschen machen es einem nicht leicht zu gehen. So schließen wir auf keinen Fall aus, bald wieder zu kommen.

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