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Ein bisschen Pontisches Gebirge und Schwarzmeerküste

Noch lassen das Grün des Pontischen Gebirges und der einsetzende Frühling am Schwarzen Meer, die sonst von Touristen überlaufenen Städte friedlich und erholsam erscheinen. Die beste Zeit also, diesen Teil der Reise anzutreten.


Etwas verschlafen wirkt der Ort Arakli. Von der alten Festung streift der Blick über die Bucht mit ihrem kleinen Fischereihafen.


Im Altindere Nationalpark, im Hinterland Trabzons, liegt das ehemalige griechisch- orthodoxe Kloster Sümela.

In eine Steilwand gebaut, soll es hier schon seit tausendsechshundert Jahren existieren. Seine heutige Gestalt geht jedoch auf jüngere Ausbauten zurück. Nachdem die Mönche nach der Umsiedlungspolitik Attatürks vertrieben wurden, verfiel das Kloster zunehmend bis der türkische Staat sein touristisches Potenzial erkannte. Heutzutage karren Busse jeden Tag viele Sinnsuchende hierher, die der Hektik Trabzons entkommen möchten und ein wenig kulturellen Input notwendig haben.


In einem weiteren Seitental entlang des Küstengebirges erreicht man den Uzungöl. Dieser, bei einem Erdrutsch entstande See, ist im Sommer von Tagestouristen übervölkert. Mit seinen dichten Tannenwäldern stellt er von Weitem das Bild eines typischen Schwarzwaldsees dar, wenn die osmanische Armee vor fünfhundert Jahren bei Wien einen Sieg errungen hätte.


Ausserhalb der Saison ist es friedlich und Fuchs und Hase oder eben Bär und Wildschwein sagen sich hier gute Nacht.


Entlang der Täler passiert man Namen wie Cay-Kur und Kara-Cay, welche alle auf den hier vorherrschenden landwirtschaftlichen Einkommenserwerb deuten. Die Gegend ist das Hauptanbaugebiet des türkischen Tees. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Stadt Rize nicht nur imposante Teefelder pflegt, sondern auch ein Tee Museum ihr Eigen nennt.


Der in dieser Gegend angebaute Tee trägt folglich auch die Bezeichnung Rize Tee. Die Türkei ist unter den Teetrinkernationen auf Platz eins. Bereits Attatürk beauftragte sein Volk zur Selbstversorgung mit dem wohlschmeckenden Gebräu, um sich von teuren Importen loszulösen. Die Stadt wird förmlich von Teefeldern umzingelt, da jeder Haushalt das hier vorherrschende Klima nutzt, um seine eigenen Pflanzungen zu kultivieren.


Rize kann mit ihrer Festung und der Promenade am Schwarzen Meer durchaus Charme verströmen.


Offensichtlich haben die Bürger*innen der Stadt gewisse hellseherische Fähigkeiten. Ist man sich hier doch schon des Ausgangs, der in Kürze stattfindenden demokratischen Wahl, sehr sicher. Dies könnte natürlich auch daran liegen, dass der, hier gern als Führer bezeichnete, aktuelle Präsident ein Kind dieser Provinz ist.


Mit dem Bayrami oder Zuckerfest, dem offiziellen Ende des Ramadan, verabschieden wir uns von der Türkei.

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